Wie alles begann.
Üblicherweise ist Musik vor allem eine Inspirationsquelle für unser Ohr und ein Museum ein Ort, der vorrangig unser Auge anspricht. Was passiert aber, wenn ein Museum hörbar und Musik fühlbar wird? Dann löst sich eine fatale Paradoxie in unserem Musikleben. Dann entsteht die Idee eines klingenden Museums, in dem man nicht wunderbar verzierte Gamben, wertvolle Violinen oder Beethovens historischen Flügel ehrfurchtsvoll aus sicherer Distanz bewundern kann und dem Klang dieser Instrumente steril über Kopfhörer lauschen darf - nein, dann entsteht ein Ort, wo es Musik zum Anfassen gibt. Ohne die Schilder "Berühren verboten".
Mit der Schaffung eines solchen Instrumentenmuseums brachte der Dirigent Gerd Albrecht 1988 in Hamburg sein ganz persönliches Wunschkind auf den Weg. Wo hatte es das jemals gegeben: Ein Museum, in dem es "Berühren verboten"-Schilder nicht geben sollte, ein Ort der direkten Begegnung zwischen Besuchern und "Exponaten".
Die Idee eines lebendigen Museums fand bei den Hamburgern sofort Anklang. Dank der großzügigen Unterstützung von Firmen, Privatleuten und Musikern, die bereit waren, ihr "bestes" Stück zu spenden, gelang es innerhalb kürzester Zeit, eine Sammlung ins Leben zu rufen, die im Museum für Kunst und Gewerbe ihre erste vorläufige Heimstatt fand.
Nach der Eröffnung am 11. Januar 1989 mit zunächst 40 Instrumenten war dort fortan Krachmachen erlaubt. Schulkinder konnten nach Lust und Laune unterschiedlichste Instrumente ausprobieren, allerdings immer nur montags, um den "beschaulichen" Museumsalltag nicht zu sehr zu stören.
Bis zum Ausscheiden Gerd Albrechts als Generalmusikdirektor der Hamburgischen Staatsoper im Jahre 1997 waren die Museumsveranstaltungen Teil der Jugendarbeit der Oper. Musiker des Philharmonischen Staatsorchesters waren gerne bereit, einmal in die Rolle des "Museumsführers" zu schlüpfen und den Kindern etwas über das eigene Instrument zu erzählen.
Inzwischen war die Sammlung auf ca. 100 Instrumente angewachsen, und die Nachfrage aus den Schulen wuchs stetig, so dass sich die Frage der Unterkunft als immer drängenderes Problem erwies. Denn der Montag als alleiniger Veranstaltungstag reichte längst nicht mehr aus.
Am 10. April 1997 öffnete das Klingende Museum Hamburg als eigenständige Institution in der Hamburger Musikhalle, der heutigen Laeiszhalle, seine neuen Pforten und verzeichnete fortan ständig steigende Besucherzahlen. Reisen nach Wien, Prag, Berlin, München und Köln trugen die Idee über Hamburgs Grenzen hinaus und begeisterten Tausende von Kindern für Musikinstrumente. Kooperationen, u.a. mit dem NDR-Sinfonieorchester und Angebote zum Thema Orgel bereichern heute das Programm.
Wie groß das Interesse an der bundesweit einmaligen Konzeption des Museums ist, zeigte sich am 5. September 2004, als das Klingende Museum Hamburg anlässlich seines 15jährigen Jubiläums ein rauschendes Fest mit Musikern unterschiedlichster Stilrichtungen und vielen kleinen wie großen Besuchern feiern konnte.
Ebenfalls 2004 wurde das Museum durch Eberhard und Christa Möbius mit dem „Schiffs-Preis“ für sein besonderes Engagement für Kinder ausgezeichnet - eine Ehrung, die zeigt, dass es sich lohnt daran zu arbeiten, Visionen für die Zukunft der Kinder Wirklichkeit werden zu lassen. 2005 erhielt das Klingende Museum Hamburg den ersten Hamburger Kinder- und Jugendkulturpreis der Dr. E. A. Langner-Stiftung aus den Händen der Kultursenatorin Prof. Dr. Karin von Welck. 2006 folgte ein zweites Mal der Schiffs-Preis von Christa und Eberhard Möbius.
Die Schauspielerin Nina Petri hat 2007 die Schirmherrschaft für das Museum übernommen und im gleichen Jahr gründete sich unter dem Vorsitz von Renate Schneider der Museumsbeirat.
2009 wurde die kulturpädagogische Arbeit des Klingenden Museums Hamburg mit dem renommierten Max Brauer Preis der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. belohnt.
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